Im Jahre 1974 erlitt der damalige Präsident der USA, Richard Nixon, nach einer Flugreise-thrombose eine Lungenembolie und konnte infolgedessen nicht vor dem Watergate-Ausschuss aussagen.
Im Jahre 2000 starb eine 28-jährige Britin kurz nach der Landung nach einem Flug von Australien nach London an einer Lungenembolie.
Wie gefährlich sind daher Thrombosen auf langen Flügen, und wie kann ich sie vermeiden?
Thrombosen sind kleinere oder größere Blutgerinnsel in den Venen und treten meist erst bei längeren Flügen ab ca. 6 Stunden auf. In dieser Zeit gelangt man locker auf die Kanaren oder in die Türkei, sodass man sich für solche Flüge keine größeren Gedanken machen muss. Wer aber unsere Fußballnationalmannschaft in Südafrika besuchen möchte, sollte Vorsichtsmaßnahmen gegen eine mögliche Thrombose treffen.
Ursachen für solche Komplikationen sind stundenlanges Ausharren in beengten Sitzen, ein sehr niedriger Luftdruck, der einer Meereshöhe von 2.500 Metern entspricht und eine Ausdehnung der Venen zur Folge hat, sowie eine Eindickung des Blutes (sog. Dehydra-
tation) infolge einer stark verminderten Luftfeuchtigkeit in der Flugzeugkabine.
Zusätzliche Risiken bestehen bei schwangeren Passagieren, bei Frauen, die die Pille einnehmen, bei Reisenden mit Krampfadern, mit einem Gipsbein, Rauchern, bei über-
gewichtigen Passagieren, sowie bei Herz- und Lungenkranken.
Und wie bemerkt man eine beginnende Thrombose? Man hat Schmerzen in der Wade und beim Gehen. In der Regel sind die Unterschenkel stark geschwollen und zum Teil gerötet.
Da ist es doch besser, diese Risiken zu vermeiden, um den Urlaub unbeschwert genießen zu können:
- Trinken:
Während eines Fluges sollte man alle 2 Stunden mindestens einen Viertel Liter Mineralwasser trinken und auf Kaffee, Tee und Alkohol verzichten, da diese Getränke stark entwässern.
- Bewegen:
Durch das Sitzen mit meist abgeknickten Beinen kommt es zu einem Blutstau.
Daher sollte man sich während eines Fluges möglichst viel bewegen, übrigens
auch nachts. Durch rechtzeitiges Reservieren eines Sitzplatzes am Gang kann
man vermeiden, andere Passagiere beim Aufstehen zu stören. Noch besser sind allerdings Sitze hinter den Notausgängen, bei denen man zusätzlich die Beine ausstrecken kann. Und wer es sich leisten kann, bucht auf einem Flug nach Singapur die erste Klasse für 8.000.- €, in der man seinen Sitz nachts in ein Bett umwandeln kann.
- Wadenpumpe:
Da man nicht pausenlos die Stewardessen durch Umhergehen nerven kann, empfiehlt es sich, im Sitzen öfter die Wadenmuskulatur anzuspannen oder auch
nur regelmäßig mit den Fußspitzen zu wippen, um den venösen Blutstrom zu verbessern.
- Stützstrümpfe:
Stützstrümpfe können das Thromboserisiko erheblich vermindern, indem sie die geweiteten Venen stabilisieren und zusammendrücken. Dadurch kann das Blut schneller fließen. Allerdings sind diese Strümpfe nicht gerade preiswert.
- Heparinspritzen:
Wer zu den besonders gefährdeten Reisenden gehört (s.o.) oder sogar schon einmal eine Thrombose hatte, sollte vor einem langen Flug zu seinem Hausarzt
gehen und sich Heparinspritzen verschreiben lassen, z.B. Mono-Embolex oder Clexane, die man sich als Fertigspritzen unmittelbar vor dem Flug ganz bequem selbst in die Bauchfalte spritzen kann. Sie schützen den Reisenden 24 Stunden
lang vor einer Thrombose. Da diese aber auch noch nach einem langen Flug auftreten können, sollte man sich sicherheitshalber nach der Ankunft ein zweites Mal spritzen. Die Einnahme von Aspirin nützt hingegen wenig, da Aspirin hauptsächlich in den Arterien wirkt, nicht aber in den Venen, wo Thrombosen entstehen.
Nach so vielen Tipps bleibt nur noch eines: Guten Flug und einen schönen Urlaub!

Dieter Lünstroth, Leitender Apotheker
Apotheke am HBK Singen