Erkrankungen der Schilddrüsen sind weltweit die häufigste Erkrankung eines endokrinen Organs. Häufigstes Zeichen einer Erkrankung der Schilddrüse ist die Schilddrüsen-vergrößerung (Kropf – Struma). Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa
20 Millionen Menschen einen Kropf bzw. Struma haben, davon mehr als 90 % einen Jodmangel-Kropf. Jod ist als Spurenelement für die Schilddrüsenhormonproduktion unabdingbar. Die in der Schilddrüse gebildeten Hormone (Thyroxin, Trijodthyronin) sind für die Regulation des Stoffwechsels und den Energiehaushalt des Körpers von entscheidender Bedeutung. Sinkt die tägliche Jodzufuhr unter 70 µg ab, ist die Hormon-produktion vermindert und es kommt dann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, ebenso zu einer funktionellen Anpassung. Im Rahmen der Vergrößerung kann es auch zu Knotenbildung in der Schilddrüse kommen und natürlich zu einer Vermehrung des Halsumfanges. Engt der Kropf Luft und Speiseröhre ein, kann die Atmung und der Schluckakt behindert werden.
Eine Struma kann mit einer Unter-, Normal- oder Überfunktion des Organs einhergehen. Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gibt die Schilddrüse zuviel Hormone ins Blut ab. Die gesamten Stoffwechselvorgänge laufen auf Hochtouren. Dies äußert sich durch Symptome wie plötzliches Herzrasen, Händezittern, Schweißneigung, Haarausfall, Gewichtsabnahme, Durchfall und extreme Nervosität. Die Überfunktion kann Folge einer Autoimmunerkrankung sein, bei der Körper selbst produzierte Antikörper gegen eigene Körperzellen richtet. Diese Erkrankung wird auch Morbus Basedow genannt. Es liegt hier häufig eine gleichmäßige Vergrößerung der Schilddrüse vor, ferner können stark hervortretende Augäpfel und andere Augenbeschwerden auftreten. Wenn in der Schilddrüse verändertes Gewebe (sogenannter heiße Knoten) auftreten, die unabhängig vom hormonellen Regelkreis Schilddrüsenhormone bilden, sprechen wir von einer sogenannten Schilddrüsenautonomie.
Das Gegenteil von einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Hier gibt die Schilddrüse zu wenig Hormone ins Blut ab. Alle Stoff-wechselprozesse werden so verlangsamt. Als Symptome treten Gedächtnis- und Konzentrationsschwächen auf, ferner Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, die Haut
ist trocken und kühl, es kommt häufig zu einer ungewollten Gewichtszunahme, zu Ver-
stopfung, zum Teil können auch Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Das Haar ist trocken und spröde. Die Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion ist häufig eine Schilddrüsenentzündung, die zum Teil chronisch verläuft als sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Es kommt hierbei zur Zerstörung des Schilddrüsengewebes und damit zur Unterfunktion. Es kann ferner zu einer Unterfunktion nach Operation der Schilddrüse mit Entfernung von einem großen Teil des Gewebes kommen, ferner nach einer Radiojod-behandlung oder zum Teil auch nach einer akuten bakteriellen Entzündung. Bei den meisten Strumen (Schilddrüsenvergrößerung) liegt eine normale Stoffwechsellage vor. Die Beschwerden beziehen sich meistens auf die mechanische Behinderung der anderen Halsorgane.
Bei einer Schilddrüsenvergrößerung, insbesondere vergrößerten funktionslosen, sogenannten kalten Knoten, ist immer auch an einen Schilddrüsenkrebs zu denken.
Die Häufigkeit in Europa wird mit etwa 3-5 pro 100 000 Einwohner angegeben. Damit machen die Schilddrüsenkrebse hier zu Lande 1 Prozent aller Krebserkrankungen aus.
Die meisten kropfbildenden Schilddrüsenerkrankungen können medikamentös behandelt werden. Bei einem großen Knotenkropf oder bei Verdacht auf ein Schilddrüsencarcinom ist eine Operation notwendig. Es wird hier je nach krankhaft verändertem Gewebe ein großer Teil der Schilddrüse entfernt bzw. eine vollständige Entfernung durchgeführt. Alternativ zur Operation kann bei bestimmten Überfunktionskrankheitsbildern auch eine Radiojod-Therapie durchgeführt werden. In Deutschland werden pro Jahr etwa 100 000 Operationen an der Schilddrüse durchgeführt. Die Operationsverfahren sind in den letzten Jahren zunehmend verfeinert worden. Insbesondere die Nutzung von Lupenbrillen sowie das während der Operation angewendete Neuro-Monitoring des Stimmbandnervs haben zu einer deutlichen Senkung der spezifischen Komplikationen geführt und somit zu einer verbesserten Sicherheit des Patienten beigetragen.

Chefarzt Dr. med. Wolf-Dietrich Bornholdt
Chirurgie am HBK Radolfzell