HBH-Kliniken Seitenmotiv

Infos zum Mammographie-Screening

Mit ca. 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Mammakarzinom in Deutschland die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jährlich versterben etwa 18 000 Frauen in der BRD an Brustkrebs. Insgesamt fast 10 Prozent aller Frauen erkranken irgendwann im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, daher wurde das Mammographie-Screening als Programm zur qualitätsgesicherten Früherkennung von Brustkrebs flächendeckend in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. 20 Prozent aller Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren sind nicht asymptomatisch, haben Brustbeschwerden und gehen zur kurativen Brustdiagnostik (klinische Untersuchung, Ultraschall und Mammographie). Die übrigen 80 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe gingen bisherig nicht zur Vorsorge, an diese richtet sich das Mammographie-Screening.

Das Mammographie-Screening ist eine moderne, standardisierte Mammographie-Reihenuntersuchung. Die berechtigten Frauen werden zentral in zweijährlichen Abständen schriftlich eingeladen, die Teilnahme ist absolut freiwillig. Die Untersuchung ist für gesetzlich Versicherte kostenlos, für privat Versicherte können individuelle Regelungen gelten. Die Teilnehmerinnen benötigen keinen Überweisungsschein und müssen keine Praxisgebühr bezahlen.

Beim Mammographie-Screening wird der Brustkrebs bei Frauen, die keine Symptome oder Beschwerden haben, zu einem Zeitpunkt festgestellt, wo der Brustkrebs entweder als Vorstufe oder im Frühstadium bzw. kleinen Tumorstadium vorliegt. Infolge dessen wird die Brustkrebssterblichkeitsrate herabgesetzt und schonendere Behandlungsmöglichkeiten (operative Verfahren, Strahlentherapie und Chemotherapie) werden durchgeführt.

Unäbhängig von den zahlreichen Vorteilen werden die Nachteile oder Nebeneffekte des Mammographie-Screening dargestellt. Hierzu zählen zuerst die psychologische Belastung durch die Einladung zum Screening sowie die Durchführung der Mammographie und das Warten auf den Befund und möglicher weiterer Abklärungsdiagnostik (falsch-positive Befunde). Hinzu kommt der fehlende Arzt-Patientin (Klientin)-Kontakt, welcher in der kurative Mammadiagnostik besteht und auch weiterhin bestehen wird.

Die Strahlenexposition durch die Mammographie wird ebenfalls als Risiko angesehen, sie ist jedoch in Anbetracht der modernen digitalen Mammographieuntersuchungsverfahren (Strahlenreduktion um 20-30 Prozent zur herkömmlichen, konventionellen Mammographie) mit Doppelbefundung eindeutig zu relativieren. In Abhängigkeit der Brustdichte ist die Mammographie trotz vieler Vorteile als alleinige Untersuchung nicht immer ausreichend, so dass trotz Doppelbefundung Karzinome nicht immer gesehen oder übersehen werden. Deshalb sollten Frauen mit unauffälligen Mammographien bei neu aufgetretenen klinischen Beschwerden ihren Frauenarzt umgehend aufsuchen.
Die Kombination bisherig moderner Untersuchungsverfahren wie hochauflösender Ultraschall und moderne MRT der Mamma (inklusive der klinischen Untersuchung) finden im Screening keine Berücksichtigung, auch nicht bei Patientinnen mit familiärer Vorbelastung.

Trotz der Zunahme des Brustkrebses bei Frauen unter 50 Jahren, bleiben diese bisherig vom Mammographie-Screening ausgeschlossen und können nur über die kurative Mammadiagnostik, dem sog. grauen bzw. opportunistischen Screening, zugeführt werden.

Zusammenfassend ist das Konzept des Mammographiescreening mittlerweile mehr als
40 Jahre alt und lange etabliert in vielen westlichen Ländern. In Deutschland war das Mammographie-Screening längst überfällig. Die Kinderkrankheiten werden sicherlich überwunden. Symptomlose Frauen gehören in das Mammographie-Screening-Programm, jede Frau sollte über die Teilnahme frei entscheiden können. Es sollte keiner gezwungen werden, von der kurativen Mammographie in das Mammographie Screening zu wechseln. Hierbei sollten auch bestehende medizinische Versorgungsstrukturen genutzt werden, um das Screening für die Frauen noch attraktiver zu gestalten. Frauen mit Brustbeschwerden hingegen gehören ganz eindeutig in die kurative Mammadiagnostik. Beide Alternativen sind sinnvoll, sollten jedoch frei von den Frauen gewählt werden können, so lange dies noch möglich ist.

PD Dr. med. Nadir Ghanem und Dr. med. Sonja Schlägel
Radiologie Singen, Standort Mammographie-Screening Singen

© Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken GmbH