Krampfadern sind kein Schönheitsfehler sondern eine bedeutsame Krankheit, die häufig unterschätzt wird. Oft beginnt die Erkrankung unerkannt bereits früh nach der Pubertät. Krampfadern bei Eltern oder Großeltern geben wichtige Hinweise, denn die Veranlagung zur Varikosis, so heißt die Krankheit medizinisch, wird meist vererbt. Es ist typisch, dass fast alle Krampfaderpatienten zu Anfang keine Beschwerden haben. Auch tritt bei leichten Symptomen wie Spannungs- und Müdigkeitsgefühl der Beine eine Gewöhnung ein.
Krampfadern entstehen durch die Erweiterung oberflächlicher Venen. Hierdurch verlieren die Venenklappen, die wie Rückschlagventile arbeiten, ihre Funktion. Der Schwerkraft folgend fließt das Blut in das Bein zurück und verursacht hier einen krankhaft erhöhten Druck. Dieser erhöhte Druck ist es, der durch die Überdehnung weiterer noch gesunder Venenabschnitte das Voranschreiten der Varikosis beschleunigt und später zu irreversiblen Gewebeschäden führt. Nach Stauungsekzem und Braunverfärbung der Haut, Entzündung der oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis) und Vernarbung von Haut, Unterhautfettgewebe und Muskelfascien (Dermato-Lipo-Fascio-Sklerose) kommt es im fortgeschrittenen Stadium zu Geschwüren, dem offenen Bein (Ulcus cruris) und im höheren Alter zu lebensbedrohlichen Krampfaderblutungen.
Bereits im Anfangsstadium kann die Varikosis durch moderne Messmethoden erkannt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der farbkodierten Duplexsonographie in der Hand eines erfahrenen Untersuchers zu. Die Behandlung der Krampfaderkrankheit sollte so früh wie möglich erfolgen, da so ein rascheres Voranschreiten der Erkrankung verhindert werden kann. Nicht immer ist eine Operation erforderlich. Besonders im Frühstadium können schonende Verfahren wie Radiowellentherapie und Schaumsklerosierung angewendet oder mit minimalinvasiven Operationsverfahren kombiniert werden. Neben der Behandlungsmethode ist die Anpassung des Behandlungsplans an das individuelle Krankheitsbild des Patienten von größter Bedeutung und trägt zusammen mit exakter Diagnostik und Nachbehandlung zum Therapieerfolg bei.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Tomas Pfeiffer
Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie am
HBK Singen und Radolfzell