Das Nervensystem hat die Aufgabe, Signale aus der Umgebung aufzunehmen, an das Gehirn weiterzuleiten und - nach Verarbeitung der Signale im Gehirn - die Reaktionen an das Bewegungssystem zu vermitteln. So wird beispielsweise beim Berühren einer heißen Herdplatte der Reiz „Heiß“ durch die Nerven an das Gehirn übertragen. Das Gehirn verarbeitet den Reiz zum Gefühl „Schmerz“ und gibt den Muskeln über die Nerven den Befehl, die Hand zurückzuziehen.
Die Nerven an den Armen und Beinen entspringen im Rückenmark, das im Spinalkanal der Wirbelsäule gut geschützt ist. Auf ihrem Weg zur Finger- oder Fußspitze teilen sich die Nerven auf, um das Gebiet zu erreichen, aus dem sie die Signale aufnehmen oder Befehle aus dem Gehirn weiterleiten sollen. Auf ihrem Weg müssen sie durch Engstellen hindurch: durch Knochenkanäle, Muskel- oder Sehnenlücken. Bilden sich in diesen Engstellen Gewebeknoten oder verdicken sich die Muskeln und Sehnenscheiden, wird der Nerv komprimiert. Gefühlsstörungen und in schweren Fällen auch Lähmungen sind die Folge.
Nicht immer ist der Nerv in der Lage, durch einen Schmerzreiz den Ort der Einklemmung anzuzeigen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Karpaltunnelsyndrom. Der Mittelnerv der Hand verläuft durch den Karpaltunnel, einen handgelenksnahen Kanal in der Handwurzel, durch den auch die Sehnen der Fingerbeuger ziehen. Quellen die Sehnenscheiden im Karpaltunnel auf, so wird der Nerv gedrückt. Vor allem in der Nacht stellen sich dann Schmerzen und ein Gefühl ein, als wenn tausend Ameisen in den Fingerspitzen unterwegs wären. In fortgeschrittenen Fällen werden die Finger völlig taub und die Daumenballenmuskulatur bildet sich zurück.
Weil der Druck die Nerven dauernd schädigen kann, ist es notwendig, frühzeitig die Diagnose zu stellen. Der erfahrene Untersucher erkennt die Nerveneinklemmung an ihren Symptomen. Ergänzt wird die Diagnose durch Messverfahren, in denen die Nervenleitgeschwindigkeit und die Signalübertragung der Nerven an die Muskeln gemessen werden.
In wenigen Fällen werden die Nervenengesyndrome durch eine Gipsruhigstellung behandelt. In den meisten Fällen ist eine operative Beseitigung der Ursache notwendig. Dabei sind die Risiken durch eine Operation bei weitem geringer als die Gefahr der dauerhaften Gefühlsstörung und Lähmung durch die Nerveneinengung.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Axel Probst
Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am HBK Singen