Kinder sind anfälliger gegenüber Infektionserkrankungen als Erwachsene. Häufig bekommen sie plötzlich Fieber und oft beginnt dieses nachts oder an den Wochenenden. Dann stellt sich bei den Eltern die Frage, muss ich mit meinem Kind zum Arzt und wenn ja, muss ich gleich zum ärztlichen Notdienst, oder kann ich abwarten und gehe zum betreuenden Kinderarzt, sobald dessen Praxis wieder geöffnet ist?
Der Kinderarzt kennt das Kind am Besten, kann also den aktuellen Zustand mit Vorbefunden vergleichen und somit auch besser beurteilen. Dagegen steht die Sorge, eventuell etwas zu verpassen, wenn bis zum nächsten Morgen oder gar bis zum Montag gewartet wird.
Hilfreich für die Entscheidung mag die Beschreibung der häufigsten Ursache fieberhafter Erkrankungen sein, der Infektionen der oberen Luftwege (grippaler Infekt). Diese sind zumeist verursacht durch Viren, bei denen eine spezifische Behandlung nicht zur Verfügung steht, die Erkrankung aber auch von alleine ausheilt. Fieber bis
41 °C für 3-5 Tage, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, manchmal auch eine Bindehautentzündung gehören dazu. Das Allgemeinbefinden ist dabei nur wenig reduziert. In solchen Fälle ist keine unmittelbare Arztvorstellung erforderlich.
Wichtig ist, auf ausreichendes Trinken zu achten, Medikamente gegen Fieber müssen nur dann eingesetzt werden, wenn das Kind offensichtlich darunter leidet. Hustensäfte können manchmal ein wenig Erleichterung bringen, haben aber meist keine wissenschaftlich belegbare Wirksamkeit. Selten gesellen sich zu den Viren auch noch Bakterien hinzu und die Infektion dehnt sich auf die unteren Atemwege bzw. die Lunge aus. In diesem Fall würde eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich werden. Hinweise auf eine solche Komplikation sind Fieber über 41 °C, anhaltendes Fieber trotz Gabe von Fieber senkenden Mitteln, beschleunigte oder angestrengt wirkende Atmung, insbesondere in Phasen, in denen das Kind ruhig ist oder schläft, und zunehmende oder ausgeprägte Schwäche (das Kind hat zu nichts mehr Lust, liegt nur noch auf dem Sofa etc.).
Eine weitere Entscheidungshilfe ist das Alter des Kindes: In den ersten Lebensmonaten sind Kinder anfälliger für behandlungsbedürftige bakterielle Erkrankungen und sollten deshalb früher untersucht werden als ältere Kinder.

Oberarzt Dr. med. Reinhard Kaiser
Klinik für Kinder und Jugendliche am HBK Singen