Mai 2011
Der Mensch hat vor einigen tausend Jahren entschlossen, sich aufzurichten und sich auf 2 Beinen fortzubewegen. Das hat bekanntlich große Vorzüge – aber auch Nachteile erbracht. Da die Füße auf relativ kleiner Fläche das Körpergewicht auszubalancieren haben, sind sie einer erheblichen Dauerbelastung ausgesetzt, zumindest dann, wenn wir nicht gerade liegen oder sitzen. Von Fall zu Fall kommt es zu dabei zu Deformationen an den Fußgelenken, die beträchtliche Schmerzen verursachen können. Diese Erkrankungen können jedoch durch moderne Operationsverfahren behoben werden.
Die häufigsten Veränderungen befinden sich im Vorfußbereich. Als Beispiele seien hier angeführt: Der Großzehenballen oder Hallux valgus, die Hammerzehen sowie die Arthrose im Großzehengrundgelenk. Im Rückfuß und Fußwurzelbereich handelt es sich meistens um Verschleißerscheinungen der dort befindlichen kleinen Gelenke, häufig kombiniert mit einer Knick-Senkfußfehlstellung. Nahezu 10% der Bevölkerung haben im Laufe des Lebens Fußbeschwerden. Im Verhältnis sind häufiger Frauen betroffen. Viele Probleme lassen sich ohne Operation durch konservative Maßnahmen wie Einlagen, angepasstes Schuhwerk, Polsterung und gezielte Krankengymnastik verbessern. Eine bestehende Fehlstellung lässt sich allerdings durch konservative Maßnahme in der Regel nicht korrigieren und führt im weiteren Krankheitsverlauf zu einer deutlichen Verschlimmerung mit entsprechenden Beschwerden. Hier ist es dann notwendig, einen operativen Eingriff durchzuführen. Das Ziel der operativen Maßnahmen ist im jeden Fall die gestörte Funktion des Fußes wieder herzustellen und dementsprechend eine Linderung der vorher bestehenden Beschwerden zu erlangen.
Wie oben angeführt, bestehen die häufigsten Fehlstellungen im Vorfußbereich, insbesondere im Bereich der Großzehe. Der sogenannte Großzehenballen oder auch Hallux valgus weist eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen auf. Diese Fehlstellung ist in der Regel erblich bedingt. Enges Schuhwerk führt zu einer Verschlimmerung der Beschwerden, ist allerdings nicht die Ursache für die Entstehung eines Großzehenballens. Durch die Fehlbelastung des Fußes kommt es in der Regel zu einer Aufspreizung zwischen den beiden ersten Mittelfußknochen und somit zum Heraustreten des ersten Mittelfußköpfchens (sogenannter Ballen). Über dem Ballen bildet sich häufig ein Schleimbeutel, der dann durch zu enges Schuhwerk zusätzlich gereizt wird und zu einer Entzündung führt. Durch entsprechend bequemeres breiteres Schuhwerk ergänzt durch Einlagen ist es bei einer leichten Form möglich diese schmerzhaften Zustände zu vermeiden. Wenn trotz konservativen Maßnahmen keine Linderung der Beschwerden zu erreichen ist, kommt eine korrigierende Operation des 1. Mittelfußknochens in Frage. Es gibt verschiedene operative Möglichkeiten, die alle zum Ziel haben, die Funktion des Großzehengrundgelenkes zu erhalten. Nach der in Regel ambulant erfolgten Operation ist bei den meisten Verfahren eine rasche Vollbelastung in einem Spezialschuh möglich. Die Heilungsdauer beträgt in der Regel 4-5 Wochen. Nach Rückgang, der durch die Operation bedingten, Schwellung kann dann wieder ein normaler Schuh getragen werden.
Bei der Arthrose handelt es sich um einen Verschleiß des Gelenkknorpels. Die Zerstörung des Gelenkknorpels führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung und Knochenanlagerungen im Gelenkbereich. Auch hier sind je nach Schweregrad zunächst konservative Behandlungsmöglichkeiten gegeben. Bei erheblicher Bewegungseinschränkung, dauerhaften Schmerzzuständen ist in der Regel nur ein operativer Eingriff hilfreich. Je nach Zerstörungsgrad des Knorpels kommt eventuell ein gelenkerhaltener Eingriff in Frage oder eine Einsteifung des Großzehengrundgelenkes. In seltenen Fällen ist auch der Ersatz durch ein Kunstgelenk möglich. Die Einsteifungsoperation führt zu einer Schmerzfreiheit und lediglich zu einer geringen Beeinträchtigung des Gangbildes. Auch sportliche Aktivitäten sind mit einem eingesteiften Großzehengrundgelenk möglich. Die Nachbehandlungsdauer beträgt etwa 6 Woche.
Bei den Hammerzehen bzw. Krallenzehen handelt es sich um eine Fehlstellung der Zehen im Mittelgelenk mit starker Beugung sowie häufig damit einhergehender Überstreckung im Grundgelenk. Durch den Druck des hervorstehenden Knochens unter der Haut kommt es zu schmerzhaften Hornschwielen und entzündeten Schleimbeuteln über den betroffenen Gelenken. Bei der Operation wird das Köpfchen des Grundgliedes entfernt und die dann vorliegende korrigierte Stellung durch einen Draht stabilisiert. Dieser Draht kann in der Regel schmerzfrei nach 4 Wochen entfernt werden.
Auch bei vielen anderen, hier nicht angesprochenen Fehlstellungen und Gelenkverschleißerscheinungen kann eine operative Therapie sehr erfolgreich sein. Neue innovative fußchirurgische Therapiekonzepte werden zukünftig zu einer weiteren Verbesserung der Ergebnisse und der Patientenzufriedenheit beitragen.

Dr. med. Wolf-Dietrich Bornholdt
Chefarzt
der chirurgischen Klinik am HBK-Radolfzell
Chrirugische Klinik am HBK Radolfzell
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