Juni 2011
Zecken kommen fast überall in Europa vor und leben im Gras, Kräutern und Büschen bis zwei Meter Höhe. Mit dem Klimawandel breiten sich Zecken und zeckenvermittelte Erkrankungen in Deutschland von Süden nach Norden immer weiter aus. Zecken sind ab etwa 8 Grad Celsius aktiv und bleiben mit ihren Klauen an vorbeistreifenden Wirten hängen. Die Zecke kann zwei Erkrankungen übertragen, die Borreliose (Bakterien) und die Frühsommer-Meningo-enzephalitis = FSME (Viren). Durch Zeckenstiche gefährdet sind z.B. Förster, Waldarbeiter, Sportler, Wanderer, Landwirte, (Hobby-) Gärtner, Reiter, Hundehalter. Geschlossene Kleidung, wirksame Zeckenschutzmittel und das Absuchen des Körpers nach Zecken sind dringend angeraten. Entfernen Sie die Zecke so schnell wie möglich ohne Quetschen.
Man kann sich überall in Deutschland mit Borrelien infizieren, dabei ist in Süddeutschland etwa jede 5. Zecke Überträger von Borrelien. Bis zu 100.000 Menschen erkranken jährlich an unterschiedlich schweren Verlaufsformen mit Haut- und Gelenkbeschwerden sowie neurologischen Veränderungen.
1. Stadium: Erythema migrans (Wanderröte)
Neben
der Wanderröte können im ersten Stadium der Krankheit unspezifischen
Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- oder
Gliederschmerzen auftauchen. Antibiotika in Tablettenform helfen
(Tetrazykline).
2. Stadium: Neuroborreliose und auch gelegentlich
Herzmuskelentzündung
Quälende Schmerzen (Neuralgie, Radikulitis),
Sensibilitätsstörungen, Lähmungen (Fazialisparese, Muskellähmungen an
Arm oder Bein), Antibiotika (z.B. Ceftriaxon) müssen über 14 Tage als
Infusion gegeben werden.
3. Stadium: Borrelien-Arthritis
Neben wiederkehrenden Gelenkentzündungen können im 3. Stadium pergamentartigen Hautveränderungen (Akrodermatitis) und neurologische Veränderungen auftreten.
Eine Borreliose ist zu Beginn nicht immer über eine Blutuntersuchung nachweisbar. Zur Sicherung einer Neuroborreliose sollte eine Lumbalpunktion erfolgen. Im Anfangsstadium ist eine Borreliose gut mit Antibiotika heilbar, in späteren Stadien können Schäden zurückbleiben. Eine Impfung gegen Borrelien ist für den Menschen nicht verfügbar.
In Endemiegebieten tragen ca. 0,1-5% der Zecken das FSME-Virus. In
Baden-Württemberg treten über 200 Fälle pro Jahr auf. In 70% wird ein
zweigipfliger Fieberverlauf nach einer Inkubationszeit 4-28 Tagen
beobachtet: In der Frühphase treten Kopfschmerzen, Fieber,
Krankheitsgefühl auf.
In der 2.Phase nach dreitägigem Intervall folgt
eine Hirn- und Hirnhautentzündung (Meningoenzephalitis) mit teilweise
Hirnnervenausfällen, Lähmungen (auch der Atemmuskulatur). Die
vollständige Erholung kann Monate dauern. Fünf Prozent der Betroffenen
versterben an der FSME-Meningoenzephalitis. Die Diagnose erfolgt über
den Nachweis von FSME-Antikörpern im Blut. Es ist nur eine
symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln möglich. Die Impfung
schützt zuverlässig und wird bei allen Menschen empfohlen, die sich in
Endemiegebieten wie Süd-Baden-Württemberg regelmäßig im Wald, Garten
oder Parks aufhalten. Ein vollständiger Schutz besteht nach drei
Impfungen mit Auffrischung alle drei Jahre.

Prof. Dr. med. Christof Klötzsch
Chefarzt
der Neurologischen Klinik am HBK Singen
Neurologische Klinik am HBK Singen
© Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken GmbH