Viele Frauen kennen die typischen Symptome einer Blasenentzündung wie ständiger Harndrang mit kleinen Harnportionen, brennenden Schmerzen beim Wasserlassen und krampfartige Unterbauchbeschwerden. Blasenentzündungen sind bakterielle Infektionen, bei denen die Bakterien aus dem Genitalbereich über die Harnröhre in die Blase gelangen. Frauen leiden erheblich häufiger als Männer an dieser Infektion, da die weibliche Harnröhre nur wenige Zentimeter lang ist und Keime eher einmal auf diesem Weg in die Blase gelangen.
Gehäuft treten Blasenentzündungen in der Badesaison auf. Dass Keime im Schwimmbadwasser für Blasenentzündungen verantwortlich sind, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Blasenentzündungen treten zwar tatsächlich oft nach einem Schwimmbadbesuch auf, jedoch führt die Kälte- und Nässe der feuchten Badekleidung zu einer starken Auskühlung, die dann das Auftreten einer Blasenentzündung begünstigt. Daher gilt als Tipp: Nach dem Schwimmen sofort die nasse Bekleidung ausziehen, gut abtrocknen und in warme Kleidung schlüpfen. Auch beim abendlichen Besuch eines Biergartens oder bei Freiluftveranstaltungen sollte man einer Unterkühlung im Unterleibsbereich entgegenwirken, z.B. durch mitgebrachte Pullover oder Schals. Im ungünstigen Fall wandern die Keime sonst von der Blase über die Harnleiter in die Niere und es kommt zu einer Nierenbeckenentzündung.
Eine Nierenbeckenentzündung ist eine ernsthafte Erkrankung, die meist mit Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Nieren- bzw. Rückenschmerzen einhergeht. In diesem Falle oder auch bei Blutbeimengungen im Urin sollte umgehend ein Urologe aufgesucht werden, da in diesen Fällen eine Behandlung mit einem Antibiotikum unumgänglich ist. Auch immer wieder kehrende Infektionen der Harnwege sollten durch einen Urologen abgeklärt werden, da unter Umständen begünstigende Faktoren wie Nierensteine oder Anomalien des Harntraktes einer Behandlung bedürfen.
Bahnt sich eine Blasenentzündung an sollte 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden, um die Blase gut durchzuspülen und die Keime auszuschwemmen. Neben speziellen Nieren- und Blasentees sind Preiselbeersaft und der Saft der nordamerikanischen Cranberry empfehlenswert. Es ist in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen, dass sich durch den Saft die Rückfallquote von Harnwegsinfekten um mehr als die Hälfte reduzieren lässt. Die in den Beeren enthaltenen Bestandteile verhindern offenbar, dass sich Bakterien an der Blasenwand festsetzen können. Daher als Tipp zur Vorbeugung und bei ersten Anzeichen von Harnwegsinfekten: zweimal täglich etwa 200 ml mit Wasser verdünnten Preiselbeersaft oder Cranberrysaft trinken.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Helge Seifert
Klinik für Urologie und Kinderurologie am HBK Singen